ToolboxKit

Mehrwertsteuer berechnen: Brutto und Netto mit Formeln und Beispielen (19 % und 7 %)

Die Mehrwertsteuer steht auf fast jeder Rechnung und jedem Kassenbon. Die Rechnung ist einfach, und trotzdem ziehen erstaunlich viele sie in die falsche Richtung ab und landen bei einer Rechnung, die um einige Euro danebenliegt. Dieser Ratgeber erklärt, wie die Mehrwertsteuer funktioniert, gibt die Formeln fürs Aufschlagen und Herausrechnen, nennt die deutschen Steuersätze und zeigt typische Fehler. Deine Zahlen kannst du mit dem MwSt-Rechner prüfen.

Was die Mehrwertsteuer ist, in einem Absatz

Die Mehrwertsteuer, offiziell Umsatzsteuer, ist eine Verbrauchsteuer, die in Stufen erhoben wird. Jedes Unternehmen in der Kette berechnet Umsatzsteuer auf seine Verkäufe und zieht die Vorsteuer ab, die es beim Einkauf gezahlt hat; die Steuer trifft so letztlich den Endverbraucher. Ein umsatzsteuerpflichtiges Unternehmen schuldet dem Finanzamt die Umsatzsteuer aus den Verkäufen abzüglich der Vorsteuer. Der Verbraucher sieht nur einen Preis, der die Steuer bereits enthält.

Die drei Beträge auf jeder Rechnung

  • Netto: der Preis vor Steuer.
  • Umsatzsteuer: der Steuerbetrag.
  • Brutto: der Gesamtbetrag inklusive Steuer, den der Kunde zahlt.

Bei einem Steuersatz r (als Dezimalzahl; 19 % sind 0,19) gilt:

  • Brutto = Netto × (1 + r)
  • Steuer = Netto × r
  • Netto = Brutto ÷ (1 + r)
  • Steuer = Brutto − Netto

Steuer auf einen Nettopreis aufschlagen

Beispiel (19 %): Eine Dienstleistung kostet 250 € netto.

Steuer = 250 × 0,19 = 47,50 €. Brutto = 250 + 47,50 = 297,50 €. In einem Schritt: 250 × 1,19 = 297,50.

Steuer aus einem Bruttopreis herausrechnen

Hier passieren die Fehler. Beispiel (19 %): Du hast 119 € brutto bezahlt. Wie viel davon ist Steuer?

Berechne nicht 19 % von 119. Das ergibt 22,61 € und ist falsch, weil die 19 % auf den Nettobetrag erhoben wurden, nicht auf die Summe.

Teile stattdessen durch 1,19: 119 ÷ 1,19 = 100 € netto. Die Steuer beträgt 119 − 100 = 19 €.

Der Steueranteil im Bruttopreis ist r ÷ (1 + r): bei 19 % etwa 16,0 %, bei 7 % etwa 6,5 %.

Die Steuersätze in Deutschland

In Deutschland gilt der Regelsteuersatz von 19 % und der ermäßigte Satz von 7 %. Der ermäßigte Satz gilt unter anderem für viele Lebensmittel, Bücher, Zeitungen und den Personennahverkehr. Welcher Satz zutrifft, hängt vom Produkt oder der Leistung ab, nicht vom Verkäufer, und Regeln können sich ändern. Im Zweifel hilft das Finanzamt oder eine Steuerberatung.

Rechenbeispiele

19 %: Ein Laptop kostet 1.190 € brutto. Netto = 1.190 ÷ 1,19 = 1.000 €; Steuer = 190 €.

7 %: Ein Buch kostet 21,40 € brutto. Netto = 21,40 ÷ 1,07 = 20,00 €; Steuer = 1,40 €.

Rabatt und Steuer zusammen: Gib den Rabatt immer auf den Nettopreis und schlage dann die Steuer auf. Bei 1.000 € netto mit 10 % Rabatt und 19 % Steuer: 1.000 × 0,90 = 900; 900 × 1,19 = 1.071 €.

Mehrwertsteuer ist nicht Sales Tax

In den USA gibt es keine bundesweite Mehrwertsteuer. Stattdessen erheben die meisten Bundesstaaten und viele Städte eine Sales Tax, die erst an der Kasse auf den Regalpreis aufgeschlagen wird. US-Preise enthalten deshalb meist keine Steuer, deutsche Preise dagegen schon. Die Sales Tax wird nur beim Verkauf an den Endkunden erhoben, und Unternehmen holen sie sich beim Einkauf in der Regel nicht zurück. Die Rechnung zum Auf- oder Abschlagen ist dieselbe; verschieden sind Ausweis und Erhebung.

Ermäßigt, nullprozentig, steuerfrei: nicht dasselbe

  • Ermäßigter Satz: Es wird Steuer erhoben, aber mit niedrigerem Prozentsatz.
  • Nullsatz: Die Steuer beträgt 0 %, der Verkäufer kann seine Vorsteuer weiterhin abziehen.
  • Steuerfrei: Es wird keine Steuer erhoben, aber der Verkäufer kann seine Vorsteuer meist nicht abziehen.

Das betrifft vor allem Unternehmen bei der Steuererklärung, erklärt aber, warum eine Rechnung eine Steuerzeile mit Null zeigen kann.

Kleinunternehmer und Reverse-Charge

Kleinunternehmer im Sinne von § 19 UStG weisen unter bestimmten Umsatzgrenzen keine Umsatzsteuer aus und müssen auf der Rechnung darauf hinweisen. Bei bestimmten Leistungen zwischen Unternehmen, etwa im grenzüberschreitenden Verkehr, kann das Reverse-Charge-Verfahren gelten, bei dem der Leistungsempfänger die Steuer schuldet. Die Einzelheiten hängen vom Fall ab, daher lohnt sich bei Unsicherheit eine Rückfrage beim Steuerberater.

Häufige Fehler bei der Mehrwertsteuer

  1. Den Satz vom Brutto abziehen. Teile stattdessen durch 1 + Satz.
  2. Den falschen Satz verwenden. Regelsatz auf einen ermäßigten Artikel bläht den Preis auf, das Gegenteil unterschätzt deine Steuerschuld.
  3. Zu früh runden. Rechne mit ungerundeten Zahlen und runde nur die letzte Zeile. Bei Rechnungen mit vielen Positionen summieren sich kleine Unterschiede.
  4. Rabatt nach der Steuer abziehen. Rabatte gehören auf den Nettopreis.
  5. Steuer ausweisen, wo keine anfällt. Manche Umsätze sind steuerfrei, und Kleinunternehmer weisen keine Steuer aus.

Kurze Checkliste für Rechnungen

Eine Rechnung braucht in der Regel unter anderem den vollständigen Namen und die Anschrift von Leistendem und Empfänger, die Steuernummer oder Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, das Ausstellungsdatum, eine fortlaufende Rechnungsnummer, Menge und Art der Leistung, den Zeitpunkt der Lieferung oder Leistung, das Entgelt, den Steuersatz und den Steuerbetrag. Die Anforderungen können sich ändern, prüfe also die aktuellen Vorgaben.

Kurze Antworten

Wird auch auf Versandkosten Mehrwertsteuer erhoben? Meist ja, in der Regel mit dem Satz der gelieferten Ware, wobei Regeln variieren.

Kann ich als Verbraucher die Steuer zurückbekommen? Normalerweise nicht, außer in Sonderfällen wie bestimmten Tax-free-Regelungen für Besucher.

Warum sehen 19 % nicht wie 19 % aus? Weil es 19 % des Nettopreises sind. Vom Bruttopreis sind es etwa 16 %.

Dieser Artikel ist allgemeine Information und keine Steuerberatung. Sätze, Grenzen und Regeln ändern sich, prüfe also bei der Finanzverwaltung oder einer Steuerberatung, bevor du dich für eine Erklärung auf eine Zahl verlässt.